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 Die Leiden des jungen Werthers - Johann Wolfgang von Goethe

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November

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BeitragThema: Die Leiden des jungen Werthers - Johann Wolfgang von Goethe   Do Okt 13, 2011 9:08 am

'Die Leiden des jungen Werthers' ist ein Roman, der eigentlich nur aus vielen Briefen besteht, die Werther an seinen Bruder Willhelm schreibt und welche eher wie Tagebucheinträge scheinen. Der unglückliche, viel trinkende Werther, welcher seine Briefe in Goethes Zeit (4. Mai 1771 bis 24. Dezember 1772) schrieb, verliebt sich in das Fräulein Lotte, welche jedoch einen Verlobten hat. Er versucht seine Freundschaft mit Lotte und ihrem Verlobten aufrechtzuerhalten, welche ihn jedoch zerstört und weshalb er schließlich den Freitod wählt. Es ist sehr melancholisch und gedankenanregend geschrieben und für jeden etwas, der den alten Schreibstil mit seinen Ausschmückungen etwas durchblickt. Wenn nicht, findet man sich da auch ganz leicht rein. Hier sind meine Lieblingstagebucheinträge:

24. November
Sie fühlt, was ich dulde. Heute ist mir ihr Blick tief durchs Herz gedrungen. Ich fand sie allein; ich sagte nichts, und sie sah mich an. Und ich sah nicht mehr in ihr die liebliche Schönheit, nicht mehr das Leuchten des trefflichen Geistes, das war alles vor meinen Augen verschwunden. Ein weit herrlicherer Blick wirkte auf mich, voll Ausdruck des innigsten Anteils, des süßesten Mitleidens. Warum durft’ ich mich nicht ihr zu Füßen werfen? warum durft’ ich nicht an ihrem Halse mit tausend Küssen antworten? Sie nahm ihre Zuflucht zum Klavier und hauchte mit süßer, leiser Stimme harmonische Laute zu ihrem Spiele. Nie habe ich ihre Lippen so reizend gesehn; es war, als wenn sie sich lechzend öffneten, jene süßen Töne in sich zu schlürfen, die aus dem Instrument hervorquollen, und nur der heimliche Widerschall aus dem reinen Munde zurückklänge – Ja wenn ich dir das so sagen könnte! – Ich widerstand nicht länger, neigte mich und schwur: Nie will ich es wagen, einen Kuß euch aufzudrücken, Lippen, auf denen die Geister des Himmels schweben. – Und doch – ich will – Ha! siehst du, das steht wie eine Scheidewand vor meiner Seele – diese Seligkeit – und dann untergegangen, diese Sünde abzubüßen – Sünde?

4. Dezember
“Ich bitte dich – Siehst du, mit mir ist’s aus, ich trag’ es nicht länger! Heute saß ich bei ihr – saß, sie spielte auf ihrem Klavier, mannigfaltige Melodien, und all den Ausdruck! all! – all! – Was willst du? – Ihr Schwesterchen putzte ihre Puppe auf meinem Knie. Mir kamen die Tränen in die Augen. Ich neigte mich, und ihr Trauring fiel mir ins Gesicht – meine Tränen flossen – Und auf einmal fiel sie in die alte, himmelsüße Melodie ein, so auf einmal, und mir durch die Seele gehn ein Trostgefühl und eine Erinnerung des Vergangenen, der Zeiten, da ich das Lied gehört, der düstern Zwischenräume des Verdrusses, der fehlgeschlagenen Hoffnungen, und dann – Ich ging in der Stube auf und nieder, mein Herz erstickte unter dem Zudringen. – »Um Gottes willen,« sagte ich, mit einem heftigen Ausbruch hin gegen sie fahrend, »um Gottes willen, hören Sie auf!« – Sie hielt und sah mich starr an. »Werther,« sagte sie mit einem Lächeln, das mir durch die Seele ging, »Werther, Sie sind sehr krank, Ihre Lieblingsgerichte widerstehen Ihnen. Gehen Sie! Ich bitte Sie, beruhigen Sie sich.« – Ich riß mich von ihr weg und – Gott! du siehst mein Elend und wirst es enden.”

Ich finde es wahnsinn, wie man so viel Sehnsucht und Melancholie mit so wenig Worten ausdrücken kann!
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KamikazeMauz

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BeitragThema: Re: Die Leiden des jungen Werthers - Johann Wolfgang von Goethe   Sa März 31, 2012 7:02 am

Ja stimmt, ein tolles Buch und eine irre Geschichte drumherum. Viele hatten den Werther als Vorbild. Und sind seinem Beispiel gefolgt.
Irre.

Aber es macht auch verdammten Spass das Buch zu analysieren. Ein Klassiker und dennoch nicht alt. Einfach toll geschrieben und wirklich fesselnd. =)


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"Kapierst du das nicht? Du bist jetzt frei. Du musst ihre Regeln nicht mehr befolgen. Die Dunkelheit ruft dich. Eine Prise Gefahr. Minimales Risiko. Hör nur wie schnell dein Herz schlägt. Hör genau zu. So hört es sich an wenn man lebendig ist."
(Der Kinderdieb)

"Da wo Blumen blühen will ich sein.Da wo es schön und langsam leise ist. Wo man alles wahrnehmen kann, weil da wenig zum Wahrnehmen ist. Wo man Einzigartigkeit essen kann und Individualität atmen. Im Solidaritätskonzept. Alle gleich und alle gleich schön."
(Ich hab die Unschuld kotzen sehen 2)


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